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«Im Nachhinein haben wir recht bekommen», sagt Angelo Falcone und sein Gesicht kann den Stolz nicht ganz verbergen. 1963 kamen er und seine Frau aus Sizilien in die Schweiz. Wie heute Türken, Albaner oder Tamilen kämpften die italienischen Einwanderer damals mit denselben Problem: Zuhause wurde nur Italienisch gesprochen, die Kinder konnten zu wenig gut Deutsch in der Schule. Der Verein «comitato genitori scuola» habe damals in Binningen dafür gekämpft, dass ihre Kinder ein Jahr früher in den Kindergarten kommen, um die sprachlichen Defizite wettmachen zu können. Der Verein versuchte auch, in der Schulpflege Einsitz nehmen zu können. «Alles vergeblich», sagt Falcone, heute aber seien ihre damaligen Forderungen breit anerkannt. Aus dem schulpolitischen Engagement des «comitato» wurde ein kulturpolitisches; aus dem «comitato genitori» wurde das «comitato arte & cultura». Die italienischen Einwanderer nahmen das Heft selber in die Hand, gründeten «dopo scuola» und vermittelten den Kindern mit Sprachproblemen in der Schule selber Nachhilfeunterricht. Die Probleme waren gelöst, und so habe sich die Frage gestellt, ob der Verein aufgelöst oder weitergeführt werden soll, erinnert sich Falcone. Er selber sei gegen eine Auflösung gewesen, und er habe just in dieser Zeit einen italienischen Theatermann getroffen. Mit ihm zusammen habe er die Theatergruppe «Primo Sole» gegründet. Während noch die Vorbereitungen zur Premiere
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eines Stückes von Pirandello liefen, habe ihn seine Tochter – eine begeisterte Malerin – gefragt, ob er nicht auch eine Kunstausstellung organisieren könnte, eine Ausstellung, bei der Künstler ausstellen können, die sonst nirgends eine Chance haben. Das war 1992, Angelo Falcone nahm die Anregung seiner Tochter auf und die erste Arte Binningen stand – damals noch in der Athletikhalle im Spiegelfeld. Die Anfänge waren klein. Im ersten Jahr haben etwa 20 Künstler an der Art Binningen ausgestellt, in diesem Jahr kamen gegen 300 Anmeldungen, zwischen 50 und 60 Künstlerinnen und Künstler stellen mittlerweile jedes Jahr aus. Zwischen 4000 und 5000 besuchen die Ausstellung. Mit dem Erfolg sind auch die Ansprüche gestiegen. «Das Niveau steigt von Jahr zu Jahr», sagt Falcone, seine Tochter habe ihm auch schon vorgeworfen, die Grundidee der Arte verraten zu haben. Es war die Grundidee der Arte gewesen, vor allem unbekannten Künstlern eine Plattform zu bieten; diese Plattform aber sollte allen Nationalitäten offenstehen. «Alle Aktivitäten unseres Vereins zielten immer auf Integration, nicht auf Assimilation», sagt Falcone. «Wir waren immer multikulturell.» Angelo Falcone hat viel für die Integration seiner Landsleute getan. Bescheiden sitzt er am kleinen Schreibtisch in seiner Carrosserie-Werkstatt an der Kernmattstrasse, die er zusammen mit seinem Sohn führt. Bescheiden, trotz der Ehrungen, die ihm zuteil wurden.
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2003 hat Angelo Falcone den Kulturpreis der Gemeinde Binningen erhalten, 2007 hat ihm der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano den Orden Cavaliere della Repubblica verliehen. Falcone aber will die Lorbeeren für den Erfolg der Arte Binningen nicht alleine in Anspruch nehmen. Er habe ein tolles Team um sich herum, ohne das die Organisation der Ausstellung gar nicht mehr zu bewältigen wäre – alles in ehrenamtlicher Arbeit, wie er nicht unstolz betont. Der Aufwand ist gross, und in Krisenzeiten ist der finanzielle Spielraum auch für den Verein «arte & cultura» enger geworden. Über die Unterstützung der Standortgemeinde Binningen, aber auch vieler umliegender Gemeinden, könne er sich nicht beklagen, auch Sponsoren seien keine abgesprungen, aber die Beiträge seien kleiner geworden. Der Verein wolle deshalb versuchen, mit einem Gönnerverein an zusätzliche Mittel zu kommen. Vielleicht liessen sich auch die Gemeinden zu einem kleinen finanziellen Beitrag bewegen, sagt Falcone. Immerhin strahlt die Arte Binningen mittlerweile weit über die Gemeinde-grenze hinaus.
Peter De Marchi
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